Brief des Freundeskreises des Dessauer Theaters e.V.vom 26.02.2010

Der Freundeskreis des Dessauer Theaters e.V. hat die Presseinformation der Stadt Dessau-Roßlau vom 11.02.2010 mit großer Sorge zur Kenntnis genommen. Ohne zu bestreiten, dass sich die Stadt in einer dramatischen finanziellen Situation befindet, lehnen wir Teile der zu prüfenden Konsolidierungsvorschläge entschieden ab.

In einer der in dieser Erklärung formulierten Prämissen zu den Einsparvorschlägen heißt es: „oberzentrale Aufgaben sollen weitgehend erhalten bleiben”. Die vorgeschlagenen Prüfaufträge widersprechen dieser Aussage deutlich.

Eine Stadt ohne Theater, und die geforderte Einsparsumme würde nichts anderes bedeuten, ohne oder nur reduzierten Möglichkeiten des Bibliotheks- und Museumsbesuches aber auch ohne Schwimmhalle, ist nicht mehr als Oberzentrum zu klassifizieren. Die nachfolgenden Auswirkungen auf weitere Angebote, beispielhaft seien nur Musikschule, Kurt-Weil-Fest, Kammermusik, musische oder sportliche Bildung in den Schulen zu nennen, sind kaum absehbar. Wohl aber die entstehende Geisterstadt, die ihren demographischen Wandel beschleunigt, statt mit Visionen und Ideen dagegen zu wirken.

Ich frage Sie, welcher Industriebetrieb, welche hochspezialisierten Institution, welche Menschen wollen in einer Stadt leben oder gar zuziehen, in der es keine Weihnachtsmärchen oder klingenden Musikunterricht für die Kinder, keine Opern- und Sinfonien für die Werktätigen und Ruheständler mehr geben wird, selbst Schwimmunterricht oder Lesestunden in der Bibliothek wären nicht mehr zu gewährleisten. Auch noch so schnelle neue Umgehungstraßen oder ausgebaute Wasserwege werden dann zu neuen Ansiedlungen und Zuzug in unsere Stadt führen.

Die Politik ist dazu aufgefordert auf allen Ebenen, Bund, Land und Kommunen, Lösungen zu entwickeln. Dem Bürger und Steuerzahler sind Verteilungsschlüssel, Zuweisungen oder Umlagen schlussendlich egal, er bezahlt das gesamte System mit seinen Geldern und hat das Recht auf ein funktionierendes Gemeinwesen und eine Lebensqualität, die nicht nur aus Arbeit und Konsum bestehen darf.

Kultur, und ich beziehe auch den Sport als Teil von Lebenskultur ausdrücklich mit ein, müssen als wesentliche Pflichtaufgabe und nicht als ungeliebtes, teures und freiwilliges Anhängsel verstanden werden.

Ich fordere alle Bürger dazu auf, sich an der Debatte über diese Prüfliste zu beteiligen, um den Niedergang der Stadt Dessau-Roßlau zu verhindern. Der Freundeskreis des Dessauer Theaters e.V. führt zu diesem Thema am 21.3.2010 um 14:00 Uhr im Theaterrestaurant eine öffentliche außerordentliche Mitgliederversammlung durch. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Oliver Thust Vorsitzender des Freundeskreises des Dessauer Theaters e.V.

Initiative „Land braucht Stadt” c/o Thomas Steinberg Mendelssohnstraße 2 06844 Dessau-Roßlau